Hier mein Einführungstext aus dem Programmheft für die fünf Konzerte von EnsembleDeutschland 2010 in Görlitz, Dresden, Aachen, Dortmund und Bremen.
Eine PDF-Version des kompletten Hefts kann hier angesehen werden: Programmheft EnDe 2010
Grenzen brechen ihr Versprechen
Heute werden überall gerne „Brücken gebaut“, manchmal sogar geschlagen. Aber scheint dieses Wort nicht zu statisch, wenn es darum geht Begegnungen zu ermöglichen, Verbindungen herzustellen, Zusammenhalt zu erproben und zu erleben?
Die Verbindungsbrücke über Deutschland wurde vor 20 Jahren fest installiert. Sie hält – ja sie hält vielem Stand. Was aber unter dieser „Brücke“ geschieht ist dynamisch. Da wird gelebt und vor allem gelernt.
Lernen – auch aus Fehlern – ist etwas Wunderbares, wenn man selbst gesteckte Ziele vor Augen hat. Diese Erfahrung prägt auch mein Leben von Anfang an. Voll Dankbarkeit blicke ich auf viele künstlerische Begegnungserlebnisse unter dieser Verbindungsbrücke, die mir seit meinem Schulanfang 1992 auf dem „neuen“, freien Bildungsweg ermöglicht wurden.
Dynamik ist oft Interpretationssache. Diese Erkenntnis hat mich schließlich selbst zum Interpreten werden lassen.
Im „EnsembleDeutschland 2010“ musizieren Menschen mit ganz verschiedenen Erfahrungshorizonten, die dankbar sind für die positiven Entwicklungen und Ausbildungschancen im vereinten Deutschland. Beim Zusammenleben und Proben in Herrnhut und Dresden erfuhren wir die verbindende und Gemeinschaft stiftende Kraft von Ensemblekunst. Die geschichtsträchtigen Kirchtürme der Peterskirche Görlitz und des Aachener Doms sind ebenso Brückenpfeiler, wie unsere Konzertstationen in Dresden und Dortmund. Auf dem Bürgerfest in Bremen schließen wir uns vielen dankbaren Gästen an und singen davon, dass Grenzen ihr trennendes Versprechen gebrochen haben.
Die Idee von „EnsembleDeutschland 2010“ vereint nicht nur ausübende Musiker. Zusammen mit unserem „Schirmherren“ Prof. Dr. Hans Joachim Meyer engagieren sich viele motivierte Menschen und Institutionen an den Konzertorten für unser Anliegen. Ein herzliches Dankeschön dem Evangelischen Studienwerk Villigst e.V. und den großzügigen öffentlichen und privaten Förderern.
Unsere „…Brücke aus Händen / Führt über die zerteilte Welt…“, so besingen wir es im „Hymnus in drei Teilen“. Christoph Eisenhuth und Thomas Stapel haben dieses eindrückliche Kunstwerk für „EnsembleDeutschland 2010“ geschaffen und damit den Grundstein für unser musikalisches Arbeiten gelegt. Arvo Pärts „Berliner Messe“ (Auftragswerk von 1990) und Marc-Antoine Charpentiers bekannter Festhymnus stecken den geographischen Rahmen unseres Programms ab. Ein Urgestein der deutschen Musikgeschichte ist eingeschlossen. Heinrich Schütz komponierte den Dankpsalm und wir stimmen alle in der Überzeugung ein, dass unsere stabile Brücke tatsächlich sogar ein dehnbarer Bogen ist. Denn: „Europa hört seine Morgenröte“ (Hymnus in drei Teilen).
Cornelius Volke